Das Geheimnis um do.com, dem neuen Social Collaboration Service von Salesforce ist gelüftet. Seit kurzem ist die Anwendung in einer geschlossenen Beta Phase verfügbar. Eine Einladung kann man auf der do.com Website beantragen. Auf den ersten Blick sieht do.com wie ein weiterer Task Manager aus und es stellt sich die Frage, warum Salesforce sich in einen derart gedrängten Markt wagt.
Neben den klassischen und weit verbreiteten Desktop Task Managern, die oft erst als iPhone bzw. iPad Apps ihren Durchbruch verbuchen konnten, wie OmniFocus und Things, aber auch den unzähligen GTD Webapplikationen wie Remember The Milk und Toodledo, oder die etwas moderneren wie Wunderlist und Teuxdeux, sowie den vielen Projekt Management Collaboraton Spaces wie BasecampHQ, sind in den letzten Wochen und Monaten einige weitere neue Lösungen wie Rule.fm, Podio.com oder Asana.com aufgetaucht.
Letztere wollen wie do.com die Task orientierte Online-Zusammenarbeit durch einen Social Layer ergänzen, und stehen damit eigentlich im Wettbewerb mit den Social Collaboration Plattformen wie Salesforce Chatter oder Yammer.
Gerade der Umstand, dass do.com von Salesforce bislang noch in keiner Art und Weise mit Salesforce Chatter bzw. der Salesforce Plattform integriert ist, erstaunt, und entspricht nicht der bisherigen Launchpolitik von Salesforce. Mit do.com lanciert der Cloud Computing Pionier zum ersten Mal ein neues Produkt, welches völlig ausserhalb der klassischen Salesforce Plattform benutzt werden kann. Die Social Collaboration Anwendung ist auf der, im letzten Jahr von Salesforce akquirierten, PaaS Umgebung Heroku in Ruby on Rails implementiert und basiert auf den Ideen der vor ein paar Monaten übernommen Projekt Collaboration Anwendung ManyMoon.
Do.com ist in der Tat erst einmal ein einfacher webbasierter Task Manager für kleine Teams und Projekte. Der Unterschied zu den meisten anderen Lösungen dieser Kategorie liegt im Fokus auf die möglichst einfache Zusammenarbeit von Menschen, unabhängig davon, welche IT-Infrastruktur sie sonst einsetzen und in welcher Firma sie arbeiten. Wer einen do.com Account einmal eigerichtet hat, kann dort alle seine E-Mail Adressen, unter welchen er erreichbar ist, hinzufügen und danach Tasks empfangen.
Aufgaben und Notizen können auch via E-Mail an do.com geschickt werden, und zwar ganz einfach indem eine E-Mail entweder an task@do.com oder notes@do.com geschickt wird.

Das Web User Interface ist schlicht aufgebaut und verfolgt mit den sogenannten Sections einen interessanten Ansatz zur Organisation der Tasks, den ich so noch nirgends gesehen habe. Auf der Help Website von do.com sind einige Beispiele für den Einsatz von Sections in Projekten zu finden. Sowohl Tasks wie auch Sections können jederzeit per Drag und Drop verschoben werden. Tasks können einem Projekt zugeordnet sein und natürlich mit geplantem Abschlussdatum versehen werden.

Die wichtigsten Änderungen an den Taskdaten werden automatisch mitgeführt und angezeigt, was wohl nicht immer so vorteilhaft ist, so sieht man auch sehr schön, wie oft man ein Abschlussdatum schon verschoben hat :-). Jedem Task können auch Dokumente zugeordnet werden, die entweder vom eigenen Computer hochgeladen oder in Google Docs, und in Zukunft auch in anderen Cloud Speicherdiensten, gespeichert sein können. Weiterhin bietet jeder Taks, jedes Projekt und jede Notiz auch die Mögichkeit zu kommentieren und zu diskutieren, wie wir uns das mittlerweile von Social Media Anwendungen gewöhnt sind.
Für do.com ist auch bereits eine iPhone App im AppStore verfügbar, allerdings funktioniert diese derzeit nur, wenn die Standardsprache des iOS auf Englisch eingestellt ist.



Die iPad App ist keine native App, sondern eine HTML5 Lösung, die uns wohl auch schon einen Vorgeschmack auf die kommende touch.salesforce.com Plattform bietet.

Ich habe ja schon viele Task Manager in meinem Leben ausprobiert und bin eigentlich eher zum Schluss gekommen, dass in vielen Fällen einfache Statusfeed-Lösungen wie Salesforce Chatter oder Yammer für die Koordination der Zusammenarbeit ausreichen. Allerdings merke ich schon auch immer wieder, dass es manchmal sinnvoll wäre, eine Taskliste für ein Vorhaben verwalten bzw. mit anderen an dieser Liste zussamenarbeiten zu können.
Do.com macht auf jeden Fall einen vielversprechenden ersten Eindruck. Insbesondere das einfache verschieben, bearbeiten und zuordnen von Aufgaben über die Unternehmensgrenzen hinweg könnte dem Produkt viele Nutzer bescheren.
Die Anwendung ist noch in einer sehr frühen Beta Phase und es wird sich zeigen, wie die bereits angekündigten Integrationen zu Salesforce Chatter, Google Apps, LinkedIn, Dropbox und anderen Services aussehen. Zurzeit fehlt noch vieles, inbesondere auch eine API und die Möglichkeit die Daten zu exportieren.
Salesforce hat aber schon genügend oft bewiesen, dass sie robuste, sichere und benutzerfreundliche Cloud Applikationen schreiben und betreiben können. Ich bin darum sehr zuversichtlich, dass wir hier die erste Version einer äusserst interessanten Anwendung sehen, die sich in den nächsten Monaten noch stark entwickeln wird.
Angesichts der vielen Mitbewerber, die ähnliche Ansätze verfolgen und zum Teil schon einiges weiter sind, wäre es aber wichtig, dass die Releasezyklen bei do.com einiges kürzer sind als bei der Salesforce.com Plattform. Ich wünsche mir hier nicht 3 mal im Jahr einen neuen Release sondern möglichst alle 2-3 Wochen ein paar neue Feautures. In der Hoffnung, dass ich nicht der Einzige mit diesen Wünschen bin, werde ich die nächste Zeit mit do.com arbeiten und schauen, wie sich das entwickelt. Ein weiterer Erfolgsfaktor wird natürlich auch sein, dass es nicht mehr zu lange dauert, bis das Produkt für alle interessierten verfügbar ist. Denn eigentlich zeigt do.com seine richtige Stärke erst in der Zusammenarbeit mit anderen.
Weitere Artikel zu do.com in Englisch gibt's bei Venturebeat, Techcrunch und ReadWriteWeb.